Fuer Patienten Zuletzt geprüft:

Was ist eine Stroke Unit? Schlaganfall-Versorgung in der Klinik erklärt

Notfall-Hinweis: Bei Verdacht auf einen Schlaganfall gilt immer: sofort 112 anrufen. Dieser Artikel erklärt, was in einer Stroke Unit passiert — er dient der Information, nicht der Beratung im Einzelfall.

Eine Stroke Unit (englisch für Schlaganfall-Station) ist eine spezialisierte Krankenhausstation, die ausschließlich auf die Diagnostik und Akutbehandlung von Schlaganfällen ausgerichtet ist. Sie bündelt Fachpersonal, Monitoring-Technologie und schnelle Bildgebung so, dass die entscheidenden Behandlungen innerhalb des engen therapeutischen Zeitfensters eingeleitet werden können. In Deutschland werden Stroke Units durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zertifiziert; derzeit sind bundesweit rund 346 bis 348 Stroke Units zertifiziert (Stand: Ende 2024).

Was ist der Unterschied: Normale Neurologiestation vs. Stroke Unit?

Auf einer allgemeinen Neurologiestation werden Patientinnen und Patienten mit verschiedenen neurologischen Erkrankungen behandelt. Eine Stroke Unit ist dagegen monofokussiert auf den Schlaganfall: Jeder Bett-Platz verfügt über ein kontinuierliches Monitoring von Herzrhythmus, Blutdruck, Sauerstoffsättigung und Körpertemperatur. Das multidisziplinäre Team ist rund um die Uhr verfügbar.

Der entscheidende Vorteil: Studien belegen, dass die Behandlung auf einer Stroke Unit im Vergleich zu allgemeinen Stationen Sterblichkeit und schwere Behinderung signifikant reduziert — unabhängig davon, ob ein Gerinnsel-auflösendes Mittel eingesetzt wird oder nicht.

Was passiert in den ersten Stunden auf der Stroke Unit?

1. Sofortdiagnostik (Bildgebung)

Unmittelbar nach der Aufnahme wird eine Computertomographie (CT) des Schädels durchgeführt — in vielen Häusern ergänzt durch eine CT-Angiographie der Hirngefäße. Ziel ist es, innerhalb weniger Minuten zu unterscheiden, ob ein Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) vorliegt, da die Behandlung grundlegend verschieden ist.

2. Lysetherapie (Thrombolyse)

Beim ischämischen Schlaganfall kann innerhalb von 4,5 Stunden nach Symptombeginn ein gerinnselauflösendes Medikament (rt-PA) intravenös verabreicht werden. Je früher die Lyse einsetzt, desto größer ist die Chance auf eine Erholung. Ob eine Lysetherapie infrage kommt, entscheidet der zuständige Arzt oder die zuständige Ärztin individuell nach einem definierten Kriterienkatalog — diese Entscheidung obliegt ausschließlich dem medizinischen Team.

3. Mechanische Thrombektomie

Bei Verschluss eines großen Hirngefäßes kann zusätzlich oder alternativ eine Thrombektomie durchgeführt werden: Ein dünner Katheter wird über die Leiste bis in das verschlossene Gehirngefäß geführt und das Gerinnsel mechanisch entfernt. Dieses Verfahren ist in der Regel innerhalb von 6 Stunden nach Symptombeginn möglich, in Einzelfällen mit erweiterter Bildgebung auch später. Überregionale Stroke Units und Comprehensive Stroke Centers sind auf diese Intervention spezialisiert.

4. Kontinuierliches Monitoring und Sekundärprävention

Auf der Stroke Unit werden in den ersten 24 bis 72 Stunden Blutdruck, Herzrhythmus, Blutzucker und Körpertemperatur engmaschig überwacht. Parallel beginnt frühzeitig die Ursachenforschung: Woher kam das Gerinnsel? Liegt ein Vorhofflimmern vor? Gibt es eine Gefäßverkalkung? Die Antworten bestimmen die Folgemedikation und senken das Risiko eines erneuten Schlaganfalls.

Zertifizierung: Regionale, überregionale und Comprehensive Stroke Units

Die DSG unterscheidet drei Zertifizierungsstufen:

  • Regionale Stroke Unit: Grundversorgung, Lyse möglich; bundesweit rund 166 zertifizierte Einheiten (Stand: November 2024).
  • Überregionale Stroke Unit: Erweiterte Diagnostik und interventionelle Verfahren (Thrombektomie); rund 151 zertifizierte Einheiten.
  • Comprehensive Stroke Center (CSU): Höchste Versorgungsstufe, angesiedelt in der Regel an Maximalversorgern und Universitätskliniken; von den regional und überregional zertifizierten Einheiten tragen rund 20 diesen Status.

Zusätzlich existieren telemedizinisch vernetzte Stroke Units (rund 29 zertifiziert), bei denen Neurologinnen und Neurologen auch über Videoverbindung in die Behandlung eingebunden werden — ein wichtiger Baustein für die Versorgung in dünn besiedelten Regionen.

Stroke Units in NRW

Nordrhein-Westfalen ist als bevölkerungsreichstes Bundesland gut mit zertifizierten Stroke Units versorgt. Sowohl große Städte wie Köln, Düsseldorf, Dortmund und Essen als auch viele mittelgroße Städte verfügen über zertifizierte Einheiten. Im Notfall entscheidet der Rettungsdienst, welche Stroke Unit angefahren wird — auf Basis des klinischen Bildes und der aktuellen Kapazitäten. Eine interaktive Karte aller zertifizierten Stroke Units bietet die Website der DSG (dsg-info.de).

Wie komme ich in eine Stroke Unit?

Immer über den Rettungsdienst (112). Die Leitstelle alarmiert das nächste geeignete Krankenhaus, sodass das Stroke-Unit-Team bereits bei Ankunft vorbereitet ist („Pränotifikation“). Wer selbst fährt oder den Hausarzt anruft, verliert wertvolle Minuten — und damit möglicherweise die Chance auf eine Lyse oder Thrombektomie.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen einer Stroke Unit und einer Intensivstation? Eine Stroke Unit ist eine spezialisierte Überwachungsstation speziell für Schlaganfallpatienten; sie liegt in puncto Intensität der Überwachung zwischen einer Normalstation und einer klassischen Intensivstation. Schwerste Fälle — zum Beispiel ausgedehnte Hirnblutungen mit Bewusstlosigkeit — werden auf einer neurologischen Intensivstation behandelt, häufig direkt in Verbindung mit der Stroke Unit.

Wie lange bleibt man auf der Stroke Unit? In der Regel 24 bis 72 Stunden, danach Verlegung auf eine Normalstation oder direkte Einleitung der Rehabilitation. Die genaue Dauer hängt vom individuellen Verlauf ab und wird vom medizinischen Team entschieden.

Gibt es Stroke Units auch für Kinder? Kindliche Schlaganfälle sind selten, aber möglich. In NRW verfügen einzelne Universitätskliniken und Kinderkliniken über spezialisierte pädiatrisch-neurologische Strukturen. Im Notfall gilt auch bei Kindern: 112 anrufen.

Wie erkenne ich, ob eine Klinik eine zertifizierte Stroke Unit hat? Die DSG und die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe führen ein öffentliches Verzeichnis zertifizierter Stroke Units unter dsg-info.de bzw. schlaganfall-hilfe.de. Im Notfall ist es jedoch Aufgabe des Rettungsdienstes, die geeignete Klinik anzufahren.


Quellen: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Stroke Units & Neurovaskuläre Netzwerke, dsg-info.de; Zertifizierungskriterien für Stroke-Units in Deutschland: Update 2025, dsg-info.de; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, schlaganfall-hilfe.de; Helios Gesundheit, Stroke Unit erklärt (helios-gesundheit.de). Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Redaktionell geprüft: Juni 2026.