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Schlaganfall-Symptome erkennen und richtig handeln (FAST-Test)

Notfall-Hinweis: Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort 112 anrufen. Warten Sie nicht ab, fahren Sie nicht selbst in die Klinik — rufen Sie den Rettungsdienst. Jede Minute ohne Behandlung kann zu dauerhaften Hirnschäden führen.

Ein Schlaganfall entsteht, wenn die Blutversorgung eines Hirnbereichs plötzlich unterbrochen wird — durch ein Blutgerinnsel (ischämischer Schlaganfall, ca. 80 % der Fälle) oder durch eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall). Nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) sterben dabei pro Minute im Durchschnitt rund 1,9 Millionen Nervenzellen ab. Der Grundsatz lautet deshalb: „Time is brain“ — Zeit ist Hirn.

Was ist der FAST-Test?

Der FAST-Test ist ein einfaches Merkschema, das auch ohne medizinische Vorkenntnisse angewendet werden kann. Die vier Buchstaben stehen für die häufigsten und gut erkennbaren Schlaganfall-Warnsymptome:

F — Face (Gesicht)

Bitten Sie die betroffene Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab oder wirkt eine Gesichtshälfte schlaff und gelähmt, ist das ein Warnsignal.

A — Arms (Arme)

Bitten Sie die Person, beide Arme gestreckt nach vorne zu heben und die Augen zu schließen. Sinkt ein Arm nach unten oder kann gar nicht erst gehoben werden, kann das auf eine einseitige Lähmung hinweisen.

S — Speech (Sprache)

Bitten Sie die Person, einen einfachen Satz nachzusprechen, zum Beispiel: „Die Sonne scheint heute.“ Klingt die Sprache verwaschen, undeutlich oder versteht die Person den Satz nicht, ist das ein weiteres Warnsymptom.

T — Time (Zeit)

Ist auch nur eines der drei Zeichen positiv: Sofort 112 anrufen. Teilen Sie dem Rettungsdienst mit, welche Symptome aufgetreten sind und seit wann — der genaue Zeitpunkt des Symptombeginns ist für die Behandlung entscheidend.

Weitere Warnsymptome (BE-FAST-Erweiterung)

Das FAST-Schema kann durch zwei weitere Beobachtungen ergänzt werden, die Schlaganfälle im hinteren Hirnbereich (posteriores Stromgebiet) besser erfassen:

  • B — Balance: Plötzliche Gleichgewichtsstörungen, Schwindel, Gangunsicherheit oder ein unerklärliches Stürzen.
  • E — Eyes: Plötzliche Sehstörungen auf einem oder beiden Augen, Doppelbilder oder ein Gesichtsfeldausfall.

Das erweiterte Schema BE-FAST wird in der notfallmedizinischen Praxis diskutiert; die Kernbotschaft bleibt unverändert: Wer einen dieser Hinweise beobachtet, ruft sofort 112.

Alle wichtigen Warnsymptome im Überblick

Ein Schlaganfall kann auch durch folgende Symptome auffallen — wichtig ist das plötzliche, schlagartige Auftreten:

  • Einseitige Lähmung oder Taubheitsgefühl (Gesicht, Arm, Bein)
  • Sprach- oder Verständnisschwierigkeiten
  • Plötzliche starke Sehstörungen
  • Plötzlicher heftiger Kopfschmerz ohne erkennbaren Auslöser
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Gangunsicherheit

Auch wenn einzelne Symptome wieder verschwinden (sogenannte TIA — transitorische ischämische Attacke), ist umgehend ärztliche Hilfe erforderlich. Eine TIA kann ein Vorzeichen eines größeren Schlaganfalls sein.

Warum zählt jede Minute?

Die wichtigsten Behandlungen beim ischämischen Schlaganfall — die medikamentöse Lyse (Auflösung des Blutgerinnsels) und die mechanische Thrombektomie (Entfernung des Gerinnsels mit einem Katheter) — sind nur in einem engen Zeitfenster möglich. Je früher die Behandlung einsetzt, desto geringer sind bleibende Schäden.

Der Rettungsdienst entscheidet, in welche Klinik transportiert wird — bei Schlaganfallverdacht möglichst direkt in eine Klinik mit zertifizierter Stroke Unit (spezialisierte Schlaganfall-Station).

Richtig reagieren: Schritt für Schritt

  1. 112 anrufen — sofort, ohne zu warten.
  2. Symptome beschreiben: Was haben Sie beobachtet? Seit wann?
  3. Person beruhigen und sichern: Lassen Sie die betroffene Person nicht allein, legen Sie sie nicht flach, wenn sie bei Bewusstsein ist — Oberkörper leicht erhöht.
  4. Nichts essen oder trinken geben — Schluckstörungen sind möglich.
  5. Nicht selbst in die Klinik fahren — der Rettungsdienst kann die Behandlung bereits auf dem Weg beginnen und die richtige Klinik anfahren.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen 112 und 116 117 beim Schlaganfall? Beim Schlaganfall gilt ausschließlich 112 — der europaweite Notruf, kostenlos rund um die Uhr. Der ärztliche Bereitschaftsdienst 116 117 ist für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Beschwerden außerhalb der Praxisöffnungszeiten zuständig. Ein Schlaganfall ist ein lebensbedrohlicher Notfall — hier immer 112.

Kann ein Schlaganfall auch ohne Schmerzen auftreten? Ja. Die meisten Schlaganfälle sind schmerzlos. Das macht sie besonders tückisch. Maßgeblich ist das plötzliche Auftreten neurologischer Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen oder Sehverlust — unabhängig davon, ob Schmerzen vorhanden sind.

Was ist eine TIA und wie gefährlich ist sie? Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) ist ein vorübergehender Schlaganfall, bei dem sich die Symptome innerhalb von Minuten bis Stunden vollständig zurückbilden. Sie ist ein ernstes Warnsignal: Das Risiko eines nachfolgenden vollständigen Schlaganfalls ist in den ersten 48 Stunden besonders hoch. Auch bei einer TIA sofort 112 anrufen oder umgehend eine Notaufnahme aufsuchen.

Wie finde ich die nächste Stroke Unit? Im Notfall entscheidet der Rettungsdienst, welche Klinik angefahren wird — das Leitstellenpersonal kennt die Versorgungsstruktur in der Region. Außerhalb eines akuten Notfalls bietet die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe auf ihrer Website eine Karte zertifizierter Stroke Units an.


Quellen: Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), dsg-info.de; Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, schlaganfall-hilfe.de (FAST-Test); Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Leitlinie Schlaganfall; Aroor et al. (2017), BE-FAST-Schema. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Redaktionell geprüft: Juni 2026.